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Erste Adresse

Die Reichstagskuppel von Sir Norman Foster, das Jüdische Museum von Daniel Libeskind oder das Hans-Kollhoff-Hochhaus am Potsdamer Platz: In Berlin haben sich viele Star-Architekten verewigt. Doch nicht nur öffentliche Bauten entwerfen die berühmten Gestalter. In Berlin entstehen auch immer mehr Wohnbauten berühmter Baumeister. Viele haben in Berlin inzwischen ein eigenes Büro, zum Beispiel der Brite David Chipperfield.

FUSION AUS ALT UND NEU BEI DAVID CHIPPERFIELD

Sein Studio befindet sich in der Joachimstraße in Mitte. Der Neubau fällt zwischen zwei Gründerzeithäusern mit seiner Fassade aus Dämmbeton sofort ins Auge.

Was von der Straßenseite aus jedoch verborgen bleibt, sind die eigentlichen Büroräume. Denn hinter dem modernen Vorderhaus mit seinen Veranstaltungs- und Ausstellungsräumen und einer Privatwohnung schließt sich ein fünfstöckiger Backsteinbau an. Er wurde 1895 als Klavierfabrik errichtetet und geht eine harmonische Fusion mit der modernen Architektur ein.

BERLINER SALONKULTUR IM PALAIS VARNHAGEN

Die bauliche und kulturelle Geschichte Berlins zieht sich wie ein roter Faden durch die Projekte von David Chipperfield. Das wird auch bei der Gestaltung seines neuen Wohnobjekts deutlich, dem Palais Varnhagen. Seine Architektur nimmt Bezug auf die Berliner Salonkultur der zwanziger Jahre. Der berühmte Salon Varnhagen befand sich bis 1827 in der Französischen Straße 20 an der Ecke zur Friedrichstraße. Adelbert von Chamisso, Wilhelm von Humboldt, Heinrich Heine, Franz Grillparzer, die Brüder Schlegel und die Familie Mendelssohn gingen hier ein und aus. Ganz in der Nähe, an der Französischen Straße 56-60, lässt heute ein modernes Stadtpalais dieses Flair wieder auferstehen. Nicht nur das Gebäude, auch die Innenausstattung haben David Chipperfield Architects entworfen. In den hohen Räumen wurde edles Tafelparkett verlegt. Die Bäder sind aus Naturstein. Auf den großen Gemälden in den vier Foyers des Palais Varhagen thematisiert der Berliner Künstler Christian Hoischen die Rahel Varnhagens vielfältige Freundschaften.

YOO BERLIN VON PHILIPPE STARCK

Ganz anders fällt dagegen Philippe Starcks Wohnversion für Berlin aus. Der französische Stardesigner hat zusammen mit dem Immobilienentwickler John Hitchcox in der Nähe des Bahnhofs Friedrichstraße 95 unter dem Namen Yoo Berlin Highend-Apartments mit Spreeblick entworfen.

Das zehngeschossige Gebäude hat einen großzügigen Wellness- und Fitnessbereich. Für die Wohnungen stehen den Käufern vier verschiedene Gestaltungslinien zur Auswahl. „Wenn ein junges Paar oder eine Familie sich für eine Wohnung interessiert, spielen wir eine Art Spiel. Wir zeigen ihnen Bilder von einem Baum, einem Baby, einem Spiegel, einer Landschaft und anderen Dingen. Und sie sagen: ‚Das finden wir toll, das finden wir schrecklich.' Nach ein paar Minuten sieht man, dass sie Teil eines unserer vier Stilfamilien ‚Nature', ‚Minimal', ‚Classic' oder ‚Culture' sind. Das heißt, wir helfen Menschen, sich selbst zu erkennen und ihren eigenen Stil zu finden", erklärte Philippe Starck 2010 bei der Lancierung von Yoo Berlin. Zur Stillinie „Nature" gehören zum Beispiel ein schlichter Holzboden, Kalksteinoberflächen und bestimmte Türgriffe.

ZUHAUSE BEI GRAFT

Mit einem Sommerhaus für Hollywoodstar Brad Pitt machte sich das Architekturbüro Graft über die Berliner Stadtgrenzen hinaus einen Namen. An der Torstraße 149 hat es vor einigen Jahren ein Wohnhaus gebaut. Bewusst entschied sich das Architekten-Trio für den Standort an der Grenze zwischen Mitte und Prenzlauer Berg.

Mit seiner Architektur nahm es bewusst Bezug auf die angrenzenden Altbauten. Auf spannende Weise verändert die metallene Fassade ihr Erscheinungsbild, wenn sich die Sonne in ihr spiegelt. Das Material setzt sich auch in der Innenraumgestaltung fort, sei es nun in den Fliesen im Bad oder in der Kaminverkleidung. Die ein- bis zwei geschossigen Wohnungen zeichnen sich durch hohe Deckenhöhen, große Fenster und ein loftartiges Wohngefühl aus. Eine Küchenskulptur mit den für Graft charakteristischen geschwungenen Linien bildet auf Wunsch das Zentrum des Raumes. Über die Zusammenarbeit mit Graft sagt Projektentwickler Patrick Reich: „Mit ‚Star'-Architekten zu bauen bedeutet nicht nur ein Mehr an Abstimmung, sondern eben auch, sich dem kreativen Prozess anzupassen. Das hat teilweise schon Nerven gekostet. Wir haben Kreativität gefördert, wo es wichtig war, haben aber auch Grenzen gesetzt, wo wir es für nötig erachteten." So hatten Graft bei der Fassade freie Hand. Bei den Grundrissen achtete Reich jedoch auf Effizienz und Alltagstauglichkeit. 

Für Berlin wird die Zukunft noch weitere Projekte berühmter Architekten bringen: Aktuell plant der Hamburger Hadi Teherani zum Beispiel die neue Bebauung des Humboldthafens. Seine Handschrift wird dann ein ganzes Stadtviertel prägen.

 

Bilder und Bildrechte:

Titel: Tor149 von Graft Architekten © Tobias Hein

01_Neubau von David Chipperfield in der Joachimstraße in Mitte © Simon Menges
02_Parlais Varnhagen von David Chipperfield in Mitte © Zabel Property
03_YOO Berlin von Philippe Stark in Mitte © Zabel Property
04_Tor149 von Graft Architekten © Tobias Hein