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Berlin: Das Kaufhaus des Westens erfindet sich neu

Das Kaufhaus des Westens erfindet sich neu

Das KaDeWe ist eine Institution in Berlin. 1907 wurde das Edel-Kaufhaus gegründet. Das Berliner Stadtbild hat sich seitdem stark gewandelt, doch das prachtvolle Warenhaus ist noch immer fester Bestandteil und beliebtes Touristenziel. 2015 wechselte das KaDeWe seinen Besitzer. Nun sind verschiedene Umbauten geplant. Entscheidend dabei: Tradition und moderne Anforderungen vereinen.

Kleinere Umbauten gab es in der Geschichte des KaDeWes schon viele. Schließlich nagt der Zahn der Zeit auch an Traditionshäusern und neue Technologien, Marken und Moden finden auch hier Einzug. In der Geschichte des KaDeWes ist immer mehr dazu gekommen. Altbewährtes wurde jedoch selten angetastet. Das soll sich laut den 2016 vorgestellten Umbauplänen womöglich ändern. Dabei wird selbst vor der 6. Etage, der berühmten Feinkostabteilung, nicht halt gemacht.

Für den Umbau hat die Geschäftsführung weltweit renommierte Architekten engagiert. Ziel ist es, das Kaufhaus noch weiter zu emotionalisieren und zu einem Ort zu machen, an dem Kunden so lange wie möglich verweilen wollen. Der Besuch soll nicht nur dem Konsum dienen, sondern ein Erlebnis sein. Nur auf diese Weise schaffen alteingesessene Kaufhäuser es, sich gegen die zunehmende Konkurrenz durch die zahlreichen Shoppingmalls durchzusetzen.

Außerdem soll auch vermehrt eine jüngere, wohlhabende Zielgruppe angesprochen werden. Denn während das Kaufhaus für langjährige Kunden Tradition hat, wirkt es auf junge Touristen aus Ländern wie Japan, Russland oder China oftmals leicht verstaubt. So ist es zwar mutig, aber nicht verwunderlich, dass für die Umgestaltung der Feinkostetage das angesagte Berliner Architekturbüro „Karhard“ ausgewählt wurde. Die Berliner Architekten sind vorrangig für die Innengestaltung von Clubs bekannt und waren zuletzt durch die Umgestaltung der Toiletten im Techno-Club Berghain im Gespräch. Das Konzept hier: Edelstahl, Gummi und Messing. Ganz so experimentell wird es in der 6. Etage des KaDeWes wohl kaum.

Die Entwürfe orientieren sich vielmehr an den ­Eigenschaften der kulinarischen Stände. Während es rund um internationale Champagnermarken in der Gestaltung ruhig weiterhin edel aussehen darf, passt man sich bei regionalen Ständen wie dem beliebten Kartoffelacker an die typische Berliner Gelassenheit an. Das Kultrestaurant soll zwar nicht mehr ganz so rustikal daher kommen wie bisher, aber dennoch nicht den Urberliner-Charme verlieren.

Neben den traditionellen Ständen finden hier außerdem auch immer mehr angesagte Szeneläden Einzug. So werden im KaDeWe nicht mehr nur Liebhaber von Kaviar, Austern und Champagner fündig, sondern auch Burger- und Craftbeer-Fans. Das Kaufhaus wagt so einen Spagat zwischen seinen Stammkunden, die die Tradition lieben und einer neuen experimentierfreudigen Zielgruppe, die Wert auf aktuelle Trends setzt. Durch das neue Konzept wird beides miteinander vereint. Damit schafft das KaDeWe es nach wie vor eines der Wahrzeichen der Hauptstadt zu bleiben.