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Zwischen Kultur und Natur

WOHNEN AM TIERGARTEN

In den 90er Jahren galt der Potsdamer Platz im Zentrum Berlins als Europas größte Baustelle - heute ist nur noch eine Baulücke am südlichen Ende des Areals vorhanden. Und auch diese Brache wird im Sommer 2017 verschwunden sein. Bereits seit einigen Monaten rotieren hier zwischen Gabriele-Tergit-Promenade und Köthener Straße die Baukräne, und die Bagger heben die Grube für das Fundament des neuen Prestige-Objekts am Landwehrkanal aus: Das „High Park" wird aus zwei Wohntürmen mit 13 beziehungsweise 14 Geschossen bestehen, zwischen denen sich auf dem Dach des vierstöckigen Sockelbaus eine grüne Oase erstreckt. In den unteren Geschossen des Riegelbaus, der die Trasse der oberirdischen U-Bahn überspannt, werden Einzelhandelsflächen entstehen. Bauherr GSP Städtebau hat bereits das benachbarte Scandic Hotel und den Wohnkomplex Charleston gebaut und ist von der Lage seines neuen Objekts überzeugt.

PULSIERENDES ZENTRUM

Aus gutem Grund: Der Potsdamer Platz gilt bereits seit zwanzig Jahren als Forum für die neue Architektur der Hauptstadt. Während der Teilung zerstört, ist der Platz nun zum pulsierenden Herzen der wiedervereinigten Stadt geworden. So ließen sich hier neben zahlreichen Unternehmen auch die Staatsbibliothek und die Philharmonie, die Spielbank und ein Musical-Theater nieder. Nach Nordwesten hin erstreckt sich der Große Tiergarten, Berlins größte zusammenhängende Grünfläche.

Doch nicht nur am Potsdamer Platz sind Wohnungen begehrt, über die gesamte Fläche des südlichen Tiergartens entstehen zahlreiche neue und vor allem exklusive Wohnkomplexe. An Nachfrage nach gehobenem Wohnraum mangelt es hier nicht. Denn nicht nur der Potsdamer Platz mit seinen kulturellen Highlights und Shoppingverlockungen ist nahe. Auch der Kurfürstendamm, Berlins wohl bekannteste Flaniermeile mit noblen Boutiquen, diversen Theatern und Kinos, ist in wenigen Minuten erreicht. Zudem gibt es Natur pur: Der Landwehrkanal, der Zoologische Garten und eben der Tiergarten sind nahe.

ELEGANZ IM BOTSCHAFTSVIERTEL

Diese Mischung aus Kultur und Natur zog in den vergangenen Jahrzehnten auch ausländische Diplomaten in ihren Bann. Zahlreiche Staaten hatten bereits zur Zeit des Deutschen Reichs ihre diplomatische Vertretung zwischen Landwehrkanal und Tiergarten eingerichtet. Nach der Teilung Berlins versank das Viertel in der Bedeutungslosigkeit. Doch mit dem Hauptstadtbeschluss sind auch die Diplomaten zurückgekehrt. Neue Botschaften entstanden, wie die der Nordischen Länder. Sie wird von Dänemark, Schweden, Finnland, Norwegen und Island gemeinsam genutzt. Dazwischen liegen herrschaftliche Wohnvillen mit zumeist quadratischen Grundrissen und feinen Fassaden. Eine davon steht in der Clara-Wieck-Straße 5. Die Villa, von einem kleinen Park umgeben, steht mit ihrer für das Viertel typischen Architektur für ein ganz besonderes Lebensgefühl: Die eher zurückhaltende Fassadengestaltung sorgt für zeitlose Eleganz, die bodentiefen Fenster durchfluten jeden Raum mit Tageslicht, Dachterrassen und Balkone garantieren einen Platz an der Sonne.

In den Genuss der Sonne sollen auch die künftigen Bewohner der wohl interessantesten Baubrache der Stadt, kommen: Zwischen Lützowufer und Wichmannstraße standen einst die Stadthäuser, die vom Architekten Oswald Mathias Ungers im Rahmen der Internationalen Bauausstellung 1987 errichtet wurden. Die nicht unumstrittenen Ungers-Bauten wurden 1998 aufgrund erheblicher Gebäudemängel abgerissen. Heute möchte Grundstückseigentümerin Dibag Industriebau AG auf der 7225 Quadratmeter großen Fläche südlich des Landwehrkanals Wohnungen und Büroräume errichten. Zum Lützowplatz hin soll ein Büro- und Gewerbekomplex entstehen, der die vier siebengeschossigen Wohnhäuser, die sich um einen Wohnhof gruppieren, von der Straße abschirmt. Noch hat der Bau nicht begonnen, die Baugenehmigung ist jedoch bereits erteilt. Bis die Bagger anrücken, ist also nur noch eine Frage der Zeit.

BÜRGERTUM EROBERT SCHMUDDELKIEZ

Einen positiven Bauvorbescheid gibt es auch für das Grundstück zwischen Genthiner und Derfflinger Straße, das der Projektentwickler Dirk Germandi 2014 erworben hatte. Hier soll es neben 88 Wohnungen auch viel Platz für die Kreativwirtschaft sowie für Start-ups geben.

An der Ecke Kurfürstenstraße und Genthiner Straße entsteht das „Kurfürstenzentrum" mit mehr als 200 Wohnungen und kleinen Geschäften. Und auch die Brache an der Ecke Else-Lasker-Schüler-Straße/Kurfürstenstraße werden 130 Wohnungen gebaut. Dabei ist gerade die Gegend unweit der Kurfürstenstraße für ihren Straßenstrich berüchtigt - erst im vergangenen Jahr hatte der Baustadtrat den nahegelegenen Magdeburger Platz aufgrund der Verunreinigung mit Spritzen und Kondomen gesperrt. Die Projektentwickler sind sich hingegen sicher: Für das Schmuddelimage bleibt kein Platz in Tiergarten-Süd.

 

Bilder und Bildrechte:

Titel: Tiergarten © Istock

01 High Park am Potsdamer Platz © Zabel Property
02 Potsdamer Platz © Istock
03 Villa in der Clara-Wieck-Straße © Zabel Property
04 Kurfürstenzentrum © Istock