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Spandauer Vorstadt

Eine eigene Welt – so kann die Spandauer Vorstadt wohl am besten beschrieben werden. Hier ist Berlin Weltstadt, denn ganz Berlin scheint sich hier auf wenige Quadratkilometer zu verdichten. An der Friedrichstraße beginnt eine kleine Touristenmeile. Sie führt vorbei an der Oranienburger Straße und dem ehemaligen Kunsthaus Tacheles, wo sich zu Beginn der 1990er schon U2 für das legendäre Album „Achtung Baby" fotografieren ließen. Rund um diese Straßenkreuzung hat das quirlige und laute Flair durchaus Tradition, denn die Friedrichstraße und Oranienburger Straße waren schon in den 1920ern große Vergnügungsmeilen.

Der lebendige Straßenabschnitt endet aber schon nach wenigen Metern abrupt an der Einbiegung zur Auguststraße, wo bürgerliche Wohnhäuser wohlige Ruhe vermitteln. Doch bereits ein paar Meter weiter, an der Ecke Tucholskystraße, beginnt erneut das rege Leben – auch kulinarisch, denn hier residiert eines der Sternerestaurants der Stadt: der Pauly Saal. Gleich dahinter tanzen die Menschen im Traditionslokal Clärchens Ballhaus und über die Große Hamburger Straße geht es zurück zur Oranienburger Straße, zur Synagoge und zum ehemaligen Postfuhramt. Der ganze Fußmarsch dauert 20 Minuten und man erahnt viel von jener Legende, die Berlin seit den 1920ern Jahren begleitet.

Der östlich gelegene Teil der Spandauer Vorstadt, das sogenannte Scheunenviertel, entwickelte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts zum sozialen Brennpunkt. Armut, Prostitution und Kleinkriminalität prägten das Viertel und dementsprechend hatte es bei der Berliner Bevölkerung keinen guten Ruf. Dagegen hatte sich im westlich angrenzenden Teil der Spandauer Vorstadt ein gutbürgerliches, jüdisches Leben etabliert. Das Scheunenviertel wurde durch die Nationalsozialisten und den Zweiten Weltkrieg zerstört. Was übrig blieb, zerfiel weitestgehend zu DDR-Zeiten. Nur die Sophienstraße wurde 1987 anlässlich der 750-Jahr-Feier Berlins herausgeputzt.

So kam die Spandauer Vorstadt 1990 eher desolat in die neue Bundesrepublik und erfuhr als erster Kiez einen richtigen Aufschwung, der bis heute das Flair des Bezirks ausmacht. Hier wohnen Künstler, Journalisten, Galeristen, Kaufleute und Privatiers. Und auch das jüdische Leben ist rund um die Synagoge zurückgekehrt. Im Süden thront der Hackesche Markt mit den Hackeschen Höfen, einem der größten Touristenmagnete Berlins, wie eine Art Tor und markiert die Grenze zum restlichen Berlin. 

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