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Sneaker
Auf leisen Sohlen zum Kultobjekt

Sneaker: Auf leisen Sohlen zum Kultobjekt

Fast jeder weiß, was „Chucks“ sind. Aber nicht jeder weiß, dass die Treter aus Stoff mit Gummisohle die Urväter der Sneaker sind. Bereits 1860 wurden die ersten Leinenschuhe mit Gummisohle hergestellt, aber erst 1917 begann der Siegeszug der Sneaker, als die Firma Converse Rubber Shoe Company die ersten Basketballschuhe der Marke „All Star“ auf den amerikanischen Markt brachte. Die charakteristische Gummisohle brachte den Sneakern auch ihren Namen ein: „to sneak“ heißt nämlich „schleichen“. Chuck Taylor, ein Basketballstar und Mitarbeiter der Firma Converse, begann 1921 für den Schuh zu werben. Zwei Jahre später kam der prominente runde Aufnäher mit seiner Unterschrift hinzu und die Schuhe wurden „Converse All Star Chuck Taylor“ genannt – daher der noch heute bekannte Name „Chucks“.

Streit zweier Brüder: adidas und Puma entstehen

Zur gleichen Zeit stiegen die Gebrüder Dassler aus Herzogenaurach in die Schuhproduktion ein und entwickelten vor allem ultraleichte Schuhe für Läufer. Die Gebrüder Dassler zerstritten sich Ende der vierziger Jahre und aus der Schuhfabrik wurden die weltbekannten Marken adidas und Puma.
1971 kommt dann eine weitere weltbekannte Marke hinzu: Blue Ribbon Sport. Sagt Ihnen nichts? Kein Wunder, die Marke wurde schnell in Nike umbenannt. Das Unternehmen brachte dann 1987 die ersten Schuhe mit Luftkissen heraus, die sogenannten Air Max, die es heute in verschiedensten Farbvarianten gibt.
War noch in den 50er Jahren der etwas saloppe Turnschuh eine Rebellion gegen die Eltern, so entwickelte sich der Sneaker spätestens in den 80er Jahren in weiten Teilen der Bevölkerung zum akzeptierten Alltagsschuh. Das lässt sich auch an der Anzahl der Modelle ablesen: 1970 gab es nur fünf unterschiedliche Modelle, 1988 waren es schon 285 und im Jahr 2012 über 3.000.

Sneaker als Kulturgut: Die Sneakerqueen über ihre Sammelleidenschaft

Die schiere Anzahl an verschiedensten Modellen ist prädestiniert für Sammler. Die Sammelleidenschaft hat auch Julia Schoierer aus Berlin, bekannt als Sneakerqueen, seit vielen Jahren gepackt. Sie hat zwar schon lange nicht mehr gezählt, aber ihre Sammlung schätzt sie auf 800 bis 1.000 Paar. Da das zu viele Schuhe sind, um sie in der Wohnung zu lagern, hat sie ihre Sammlung teilweise in Lager outgesourced.
Irgendwann als Teenager hat ihre Sammelleidenschaft begonnen: „Ich bin in meiner Jugend ein klassischer Tomboy gewesen, war eher mit Jungs befreundet und interessierte mich sehr für Hip-Hop. Damals waren Turnschuhe eine Art Statussymbole und ich trug eben nicht gerne High Heels, sondern lieber Sneaker.“ Als sie mit Anfang 20 von zu Hause ausgezogen ist, hatte sie bereits um die 100-150 Paar im Gepäck.

Ein Herz für Vintage

Julia hat sich auf das Sammeln von Vintage-Modellen spezialisiert, also Sneaker aus den 80er Jahren. Wenn sie sich neue Treter kauft, dann sind das Wiederauflagen aus dieser Zeit. Das hat auch mit ihrem Interesse an der Geschichte und Evolution der Sneaker zu tun. Sie organisiert regelmäßig Ausstellungen zu dem Thema und berät große Firmen. „Ich bin vom Herzen her ein Ästhet und finde es spannend, wie die Evolution bei Turnschuhen fortschreitet“, sagt sie. Beispielweise seien die 80er Jahre durch geometrische Formen und harte Kanten geprägt gewesen – in den 90er Jahren sei dann alles etwas fließender geworden und später folgte schon der Retro-Trend. Diese Evolution lasse sich unter anderem auch im Design von Autos und Mode ablesen.

Eigenes Modell

Ein besonderes Erlebnis war für Julia die Zusammenarbeit mit adidas. Als eine von fünf Sammlern weltweit durfte sie für das „Collectors-Project“ einen eigenen Schuh designen. Ihrer Leidenschaft für Vintage entsprechend, entschied sie sich für Basketball-Schuhe, „Rivalry High“: „Ich wollte damit zeigen, aus welcher Zeit meine Sammelleidenschaft entsprungen ist.“ Auch an das erste Modell, das sie sich bewusst aus Sammlerinteresse ausgesucht hat, kann sie sich erinnern: „Das muss der Air Jordan 4 Retro von Nike, der 1999 wiederaufgelegt worden ist, gewesen sein. Das war tatsächlich der erste Schuh, für den ich über Wochen hinweg zum Laden gegangen bin, um ihn mir zurücklegen zu lassen, bis ich das Geld zusammengespart hatte.“

Sneaker-verwöhnte Füße

Wer Julia kennt, weiß, dass sie meistens mit Sneakern an den Füßen anzutreffen ist. „High Heels trage ich nur zu besonderen Anlässen. Meine Füße sind wirklich Turnschuh-verwöhnt“, lacht sie. Sie kauft alle Modelle, um sie auch wirklich zu tragen. Das unterscheidet sie von anderen Sammlern, die damit auf einen höheren Wert spekulieren.
Ihre Sammel-Leidenschaft lässt sich optimal mit ihren beiden anderen großen Leidenschaften verknüpfen: dem Fotografieren, ihrem Beruf, und dem Reisen. „Ich bin generell ein Sammler-Herz. Ich bestreite mein Leben nicht nur mit einer Idee, wie es aussehen soll, sondern ich habe Spaß daran, alles mal auszuprobieren. Und wenn’s mir langweilig wird, mache ich was anderes“, sagt Julia über sich selbst. Sie sammelt Sneaker aus einem kulturellen Interesse heraus und nicht, weil ihr der Besitz oder Konsum von Turnschuhen wichtig ist. Über die kulturellen Hintergründe handelt auch ihr Blog: www.sneakerqueen.de

Begehrte Treter für Rekordsummen

Für so manchen Sammler ist der Sneaker allerdings eine echte Wertanlage, die auch zum Spekulieren genutzt wird. Von den Herstellern wird das bewusst forciert, da sie oft limitierte Auflagen oder von Prominenten designte Modelle herausbringen, für die Sneaker-Sammler, sogenannte Sneaker-Heads, gerne mal Schlange stehen. Eines der teuersten Modelle ist der Nike Air Mag Back to the Future: er kostet rund 23.000 Dollar. Bei einer Auktion im Jahr 2013 wurden für den Nike Air Jordan 12 Flu Game sogar über 100.000 Dollar erzielt. Der Schuh wurde vom Basketball-Star Michael Jordan 1997 in einem NBA-Endspiel getragen, das er mit seinem Team nur knapp gewann.

Die teuersten Sneaker:

  1. Nike Air Jordan 12 Flu Game: 104 465 $
  2. Nike Air Mag Back to the Future: 7.000-28.000 $
  3. Nike/Carhatt, Design von Eminem: 30.100 $
  4. Nike Air Jordan 4 Undefeated: 18.500 $
  5. Nike Air Yeezy 2 Red October: 15.000 $

Aufbewahrung leicht gemacht

Wer Sneaker sammelt, benötigt selbstverständlich auch eine adäquate Aufbewahrungsmöglichkeit. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, ein Schuhregal auch aus einfachsten Materialen selbst zu bauen. So lässt sich beispielsweise einfach eine Europalette an die Wand montieren und die Zwischenräume für Schuhe nutzen. Auch lassen sich Weinkisten einfach übereinander zur Schuhaufbewahrung stapeln.

Eine Auswahl an bekannten Shops

In diesen Läden lassen sich in Hamburg beispielsweise Sneaker shoppen:

  • glOry hOle, Marktstraße 145
  • Animal Tracks, Collonaden 5
  • Underpressure, Schanzenstraße 10
     

In Berlin:

  • Overkill, Köpenicker Straße 195a
  • No. 74, Torstraße 74
  • Stickabush, Gipsstraße 23
     

In Frankfurt:

  • Uebervart, Kleiner Hirschgraben 14
  • The Listener, Stephanstraße 3
  • 43einhalb, Stiftstraße 26
     

Schuh mit persönlicher Note

Natürlich hat der Trend zur Personalisierung vor den Sneakern nicht halt gemacht, so kann man bei den führenden Marken online die Schuhe individuell gestalten: beispielsweise mit einer bedruckten Einlegesohle, dem eigenen Namen an der Ferse oder einer individuellen Farbauswahl bei den verschiedenen Komponenten.

Wohnungen, die genügend Platz für die Sneaker-Sammlung bieten:

Grand Tower
ÜBerlin
Luisenpark