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Hoch hinaus!

Das Wasser des Neuköllner Schiffahrtskanals spiegelt sich in der polierten Glasfassade des dreieckigen Wolkenkratzers (siehe oben; Bild: PR). Die Fußgänger und Autos davor wirken wie Miniaturfiguren angesichts des Giganten aus Glas und Stahl. So zumindest stellt sich Ekkehard Streletzki, der Hotelier, der mit dem Estrel-Hotel an der Sonnenallee Deutschlands größten Hotelkomplex geschaffen hat, seinen nächsten Coup vor. Bis 2018 soll gleich daneben ein 176-Meter-hoher Hotelturm entstehen. In den zusätzlichen 800 Zimmern - das Estrel-Hotel bietet 1125 Räume - sollen die Estrel-Gäste nicht nur bestens untergebracht und verköstigt werden, sie erhalten auch einen unverstellten Blick über die gesamte Metropole. Der Estrel-Tower wird Berlins höchstes nichttechnisches Gebäude sein. Höher ist nur der Fernsehturm am Alexanderplatz, der mit seinen 368 Metern zugleich das höchste Bauwerk Deutschlands ist. Doch genau dort - unweit des Telespargels - sollen in den kommenden Jahren weitere Hochhäuser in den Himmel ragen und Berlin eine weltstädtische Skyline bescheren.

Hochhausfieber am Alex

Geplant sind am Alexanderplatz bereits mehrere Wolkenkratzer: Der amerikanische Projektentwickler Hines möchte gleich neben das Einkaufszentrum „Die Mitte" einen 150-Meter-hohen Wohnturm bauen (siehe oben; Bild: Gehry Design for Residential Tower; www.hines.com). Den Entwurf für das Gebäude steuerte Architekt Frank O. Gehry bei, er wurde zu Beginn des vergangenen Jahres in einem Wettbewerb ausgewählt. Doch Hines muss sich gedulden. Sein Bauvorhaben liegt derzeit auf Eis, die Berliner Verkehrsbetriebe befürchten, der darunterliegende U5-Tunnel könne die Last des Wolkenkratzers nicht tragen.

Nur wenige Meter vom geplanten Hines-Tower entfernt möchte der russische Investor MonArch einen weiteren 150-Meter-Giganten errichten. Baubeginn für den Wohnturm neben dem Shoppingcenter Alexa könnte noch in diesem Jahr sein, einen positiven Bauvorbescheid gibt es bereits. Die Fertigstellung wäre Ende 2018 möglich.

HOCHHAUS DER BÜCHER

Seit Anfang dieses Jahres gibt es nun auch einen ersten Entwurf für Wolkenkratzer Nummer drei: Architekt Christian Speelmanns plant zwischen Park Inn und Saturn einen weiteren 150-Meter-Riesen (siehe oben; Bild: Christian Speelmanns). Er soll Sitz der Zentral- und Landesbibliothek werden und damit den Dauerstreit um die künftige Heimat der Bibliothek lösen. Sie würde laut Speelmanns im siebengeschossigen Sockelbau untergebracht - darüber Wohnungen, Wellness-Angebote und eine Skybar. Noch sind das aber nur die Visionen eines Architekten: Mit seinem Entwurf will Speelmanns zunächst „eine Diskussion anregen". Neben den Giganten sollen in den kommenden Jahren noch zwei kleinere Hochhäuser entstehen: ein 65-Meter-hoher Wohnturm südlich des Alexa und der ebenfalls 65-Meter-hohe „Car Loft Tower" an der Jannowitzbrücke.

MASTERPLAN FÜR WOLKENKRATZER

Bereits 1993 träumte der Architekt Hans Kollhoff von Skyscrapern am Alexanderplatz. Zehn 150-Meter-Türme hatte sein Entwurf vorgesehen. Gebaut wurde bisher keiner davon, der Masterplan gilt als nicht mehr zeitgemäß und wird derzeit überarbeitet. Doch die aktuellen Bauvorhaben am Alexanderplatz sprechen eine andere Sprache. Immer mehr Menschen wollen im Zentrum wohnen und wünschen sich trotzdem einen unverstellten Blick. Diesen Wohnbedürfnissen ist mit der normalen Berliner Traufhöhe von 22 Metern nicht beizukommen. Wolkenkratzer dagegen - gerade wenn sie in der Innenstadt stehen - gelten als moderne Lebens- und Arbeitsorte, deren Bewohner einer anspruchsvollen Avantgarde mit ganz speziellen Bedürfnissen nach Zentralität und Flexibilität zugeordnet werden.

„Ich kenne nur zwei Orte, wo ich bei soviel städtebaulicher Verdichtung Hochhäuser begrüßen würde: am Alexanderplatz und in der City West", meint auch Stefan Evers, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion anlässlich des öffentlichen „Forum Bau". Unter dem Motto „Neue Hochhäuser für die City West?" debattierten im März Architekten und Politiker über Berlins künftige Skyline. Denn auch rund um die Gedächtniskirche wird hoch gebaut: Neben dem Hotelturm des Waldorf Astoria mit seinen 118 Metern entsteht derzeit das ebenfalls 118 Meter hohe „Upper West". Der Zwillingsturm nach den Entwürfen des Architekten Christoph Langhof am Charlottenburger Breitscheidplatz soll voraussichtlich Ende 2016 oder Anfang 2017 fertiggestellt sein. Neben Büros und Hotelzimmern ist ganz oben für die 33. Etage eine „Skybar" mit Blick über die gesamte City West geplant.

Bilder und Bildrechte:
01 Estrel Tower wird höchstes Hotel Deutschlands; Bild: PR, hier verfügbar
02 Gehry Design for Residential Tower; Bild: PR, hier verfügbar 
03 Bild des Entwurfes für die Zentral- und Landesbibliothek; Christian Speelmanns