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Great Expectations

Schadenfreude ist nicht nur in Deutschland ein Begriff. Auch die Briten wissen um das Gefühl des heimlichen Triumphes, das man aus dem Unglück eines anderen zieht. Besonders groß ist die Schadenfreude derzeit allerdings nicht in Großbritannien, sondern im deutschen Frankfurt am Main. Dort wurde Theresa Mays Ankündigung eines harten Brexits sehr genau zugehört und gefolgert: Erste Banker, Versicherer und Vermögensverwalter in London dürften bereits auf gepackten Koffern sitzen. Und was die Briten durch den Austritt aus der Europäischen Union verlieren, könnte der Finanzstandort Frankfurt schon bald gewinnen.

Die ersten Banken ziehen nach Frankfurt

Aber beginnen wir von vorn: Um ihre Dienstleistungen in der gesamten EU anbieten zu dürfen, benötigen internationale Banken und Versicherer einen sogenannten Passport. Dazu müssen sie einen Sitz in einem EU-Mitgliedsland haben und folglich nach europäischem Recht operieren. Gerade US-amerikanischen sowie vielen asiatischen Instituten galt der Finanzstandort London hierfür lange Zeit als die erste Anlaufstelle. Bereits vor der Bekanntgabe von Mays Brexit-Plänen sind viele Institute jedoch zu dem Schluss gekommen, dass bei einem EU-Austritt Großbritanniens keine realistische Chance auf die Erhaltung der vollen Passporting-Rechte besteht. Sie bereiten sich auf die Verlagerung von Arbeitsplätzen in andere EU-Mitgliedsstaaten vor.

Den Anfang machte die Schweizer UBS, einer der größten Vermögensverwalter weltweit. Im Dezember gab die Großbank bekannt, 20 bis 30 Prozent ihrer 5.000 Beschäftigten von London nach Frankfurt umzusiedeln. Konkurrenten wie Luxemburg oder Paris, die als Mitfavorit gehandelt wurden, gingen leer aus. Das Beispiel UBS könnte Schule machen. Einer Umfrage von EY unter internationalen Immobilienexperten zufolge rechnen mehr als 70 Prozent der Befragten damit, dass die Mainmetropole am stärksten profitieren wird, wenn London als europäischer Finanzplatz wegfällt. Sowohl die Transaktionsvolumina als auch Mietpreise werden nach Meinung der Mehrheit der Befragten steigen.

Experten rechnen mit steigenden Preisen für Frankfurter Immobilien

Und tatsächlich spricht einiges für Frankfurt: Die Finanzmetropole ist nicht nur ein wichtiger Motor der europäischen Bankenbranche: Mit dem drittgrößten Flughafen auf dem Kontinent und dem siebtgrößten Bahnhof weltweit ist „Mainhattan“ ein zentraler Verkehrsknotenpunkt in Europa – und eine der internationalsten Städte des Landes. Damit genießt Frankfurt deutliche Vorteile im Vergleich zu Mailand oder Paris. Profitieren würde davon vor allem der Frankfurter Immobilienmarkt: 86 Prozent der durch EY befragten Experten erwarten einen Preisanstieg für Wohnungen und Wohnhäuser in Frankfurt.

Das Zentrum der Finanzbranche verschiebt sich

Viele sehen die Mainmetropole schon jetzt als den Top-Finanzplatz Europas: Laut der von pwc für 2017 veröffentlichten „Emerging Trends in Real Estate“-Studie liegt London als Immobilienstandort nur noch auf Platz 27 von 30 bewerteten Städten. Hingegen belegt Frankfurt am Main europaweit Platz 3, was im Vergleich zum Vorjahr einen sensationellen Sprung bedeutet. 2016 lag die Stadt noch auf Platz 14. Mit jedem Unternehmen, das dem Beispiel der UBS folgen wird, steigt die Attraktivität der Mainmetropole nur weiter. Die Vorfreude in der Frankfurter Immobilienbranche ist durchaus