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Gin
Was macht dieses Getränk eigentlich so besonders?

Gin: Was macht dieses Getränk eigentlich so besonders?

Nicht nur Queen Mum, Winston Churchill oder Snoop Dogg mögen ihn – mittlerweile hat der Gin in viele Wohnzimmer und Bars Deutschlands Einzug gehalten. Er ist zu einem regelrechten Trend-Produkt geworden. Dass Gin eigentlich ein sehr traditionelles Getränk ist, verrät ein Blick in die Historie: Wachholder, ein Hauptbestandteil des Gins, gilt eigentlich als Heilpflanze und wurde beispielsweise bei Magen-Darm-Erkrankungen eingesetzt. So war es auch ein Arzt, der heute zumindest als Namensgeber des Gins gilt. Den ältesten Quellen zufolge soll der niederländische Arzt François de la Boie einen Wachholderschnaps namens Genever gebrannt haben. Wachholderdestillat als Medizin gab es aber schon viele Jahrhunderte zuvor, sodass ein Erfinder nicht bekannt ist. Schnell wurde die Medizin aber auch als Genussmittel beliebt. Vor allem der niederländische Adel schätzte die edle Spirituose. In den Niederlanden stationierte englische Soldaten brachten dann auch den Genever ins britische Königreich, wo er dann den Namen Gin erhielt.

Gin legt fast die ganze Bevölkerung lahm

Die Herstellung von Gin war damals recht einfach und billig und zudem war er zu jener Zeit in England steuerfrei und es war auch Privatpersonen erlaubt, Gin zu brennen. Kein Wunder also, dass der Gin-Konsum in der Bevölkerung schnell ins ungesunde Maß abdriftete. Gin war sogar billiger als Bier und der Pro-Kopf-Konsum soll auf 90 Liter pro Kopf angestiegen sein.

Die englische Regierung wusste sich nicht anders zu helfen, als im Jahr 1736 ein entsprechendes Gesetz zur Begrenzung des Gin-Konsums zu erlassen, den sogenannten Gin-Act. Demnach war es nur noch lizensierten Destillerien möglich, das Getränk zu produzieren. Trotzdem wurde der billige Gin weiter verkauft, wenn auch unter anderem Namen. Erst viele Jahre später und mit Hilfe eines weiteren Gesetzes gelang es der Regierung schließlich den Alkoholmissbrauch einzudämmen. Die Qualität des Gins war nun klar geregelt und damit stiegen auch die Preise, sodass sich nicht mehr jeder die Spirituose leisten konnte.

Bis dahin wurde Gin nur pur getrunken. Als Indien eine Kolonie von Großbritannien war, schlug die Geburtsstunde des Gin Tonics: Während der langen Seeüberfahrt mischten die britischen Soldaten den Gin mit chininhaltigen Getränken um Malariaerkrankungen vorzubeugen.

Philipp Danz in seiner Gin Chilla-Bar. Foto: Philipp Danz

Mit oder ohne Gurke? Das ist hier die Frage!

„Lieber was anderes als Gurke nehmen“, meint Philipp Danz, Inhaber der Gin Chilla Bar in Berlin (www.gin-chilla-bar.de). Gurke überdecke die feinen Aromen des Gins. Vor einigen Jahren sei der Gin Tonic wegen seines bitteren Geschmacks noch als Getränk der alten Menschen in Verruf gewesen und deswegen habe man meistens Gurke hinzugegeben um den bitteren Geschmack zu überdecken. Zum Gurken-Trend habe auch Hendrick’s Gin beigetragen, der mit Gurke und frischen Pfeffer serviert wird.

Philipp Danz führt in seiner Bar, die seit 2014 besteht, rund 500 Sorten Gin. Außerdem veranstaltet er regelmäßig Tastings. Auf Gin hat er sich aus eigenem Interesse spezialisiert. Kommt für ihn noch ein anderes Getränk außer Gin in Frage? „Wasser! Ich trinke seit neun Jahren nichts anderes, weder Wein, Bier, Sekt noch sonst was. Ist manchmal schwierig, wenn ich irgendwo hingehe, aber im Zweifel bleibe ich alkoholfrei“, sagt Danz. Einen Lieblingsgin habe er nicht. Das Trinkempfinden variiere je nach Jahreszeit oder auch Gesundheitszustand. „Wenn der Hals kratzt, darf’s auch gerne mal was mit Eukalyptus sein.“

Erdbeer-Gins für Männer

Für Einsteiger hat Philipp Danz ein ganz einfaches System. Bei ihm in der Bar gibt es eine Wand, wo verschiedenste Aromen aufgelistet sind. Da kann sich der Gast dann was aussuchen und bekommt dann den passenden Gin empfohlen. Auch nicht Gin-Trinker kann Danz leicht überzeugen: „Sag mir deine Lieblingseissorte und ich zeige dir den passenden Gin dazu!“ Unterschiede in den Geschmäckern bei Männern und Frauen gebe es übrigens nicht. „Auch Männer mögen Erdbeer-Gins“, so Danz.

Und muss es immer Gin-Tonic sein? „Man kann in jedem Fall die Spirituose in pur probieren. Aber pur ist Gin nicht differenzierbar, man kann also nicht unterscheiden, ob man eine Zitrone, Limette oder Zitronengras schmeckt.“ Der sogenannte Filler, also das Tonic, aber auch Soda-Wasser oder Ginger Ale, lasse die Aromen auffächern. Ganz wichtig sei auch viel Eis, denn umso mehr Eis, desto länger bleibe das Getränk natürlich kalt und es verwässert nicht. Auf einen Strohhalm sollte man übrigens am besten verzichten. „Der Gin als Geschmacks- und Geruchsquelle ist dann viel zu weit entfernt. Das führt dazu, dass der Gin gut ist, aber nicht aussagekräftig“, sagt Danz. In der Bar zu Hause dürfe es also auf jeden Fall nicht an Eis mangeln, aber die Form der Gläser sei letztlich zweitrangig.

Was ist mit dem Kater?

Einen Kater lässt sich sicherlich auch nicht gänzlich beim Gin-Konsum verhindern. Aber man sollte auf jeden Fall auf den Zuckergehalt des Tonics achten, rät Danz: „Der Zuckergehalt ist relativ hoch, obwohl man das nicht schmeckt. So um die 9 Gramm pro 100 Milliliter. Zum Vergleich: Coca Cola hat 10,4 Gramm. Man schmeckt es nicht so, weil man mit Chinin und Zitronensäure arbeitet. Der Zucker ist unabdingbar, damit es nicht bitter-sauer wird.“ Generell spielt das Tonic-Wasser eine entscheidende Rolle. Die Trinkbalance zwischen Gin und Tonic ist laut Danz sehr subjektiv: „Lieber langsam herantasten. Fangt mit einem 50:50 Mischverhältnis an, probiert und entscheidet selber, wie ihr es trinken möchtet. Irgendwann kommt der Punkt, an dem das Tonic den Gin geschmacklich dominiert.“

Gin aus deutschen Landen

Der Hype um den Gin hat sicherlich auch mit der einfachen Herstellung zu tun, meint Danz. Man brauche im Grunde nur Wachholderbeeren. Und eine lange Lagerung sei auch nicht notwendig. Auch er hat in Zusammenarbeit mit einem Brennmeister einen eigenen Gin entwickelt: „Like Berlin.“

Mittlerweile gibt es kaum eine Region in Deutschland mehr, wo nicht Gin hergestellt wird. Auf verschiedener Grundlage und mit verschiedensten Botanicals, also den weiteren aromagebenden Zutaten wie Zitrusschalen oder Lavendel, haben viele deutsche Brenner ihre eigene Handschrift entwickelt.

Hier eine kleine Auswahl an deutschen Gins:

  • Windspiel aus der Vulkaneifel, aus Kartoffeln gebrannt
  • Harrys Waldgin, kreiert von Sternekoch Harald Rüssel, klassischer London Dry Gin aus Naurath/Wald bei Trier
  • Berliner Brandstifter aus Berlin, klassischer Wachholder Dry Gin, siebenfach destilliert
  • Ferdinands, basierend auf Riesling-Trauben aus der Lage Saarburger Rausch
  • Bill Gin aus einer 170 Jahre alten Hausbrennerei in der Eifel
  • Monkey 47 aus dem Schwarzwald, einer der bekanntesten deutschen Gins
  • Siegfried, aus dem Rheinland, Lindenblüte als besonderes Botanical, Hommage an die Nibelungensaga
  • The Duke, aus München, gilt als Pionier des deutschen Gins
  • Niemand aus Hannover, geprägt durch die Botanicals Lavendel, Sandelholz und Rosmarin

 

Die ganze Deutschland-Gin-Karte gibt es hier: https://www.gintlemen.com/deutschlandkarte/

Der wohl ungewöhnlichste Gin ist übrigens einer mit Einhorntränen – ja genau, auch hier hat der Einhorn-Trend nicht halt gemacht. Essbare Silberflocken im Gin sollen die Tränen darstellen. Geschmacklich hat der „Unicorn Tears Gin Liqueur“ aus England bei Experten nicht ganz so gut abgeschnitten.

Gin im Cocktail

Der Klassiker: Gin Fizz

  • 5 cl Gin
  • 2 cl Zuckersirup
  • 3 cl Zitronensaft
  • 10 cl Soda-Wasser
  • Eiswürfel

Alle Zutaten, außer das Soda-Wasser, in den Shaker geben. Gut schütteln. In ein Longdrinkglas mit Eiswürfeln abseihen und mit Soda auffüllen. Mit einer Zitronenscheibe garnieren.

Das Herbst-Rezept: Blackberry-Gin

Im Herbst haben Brombeeren Saison, deswegen passt dieses Rezept besonders gut.

  • 5 cl Gin
  • 2 cl Zitronensaft
  • 1 cl Zuckersirup
  • 4-5 Brombeeren
  • Eiswürfel

Brombeeren in den Tumbler geben und mit einem Stößel leicht zerdrücken. Den Tumbler mit zerstoßenem Eis füllen. Übrige Zutaten ins Glas geben und umrühren. Mit einer Brombeere dekorieren.

Quelle: https://ginspiration.de

Bars mit guter Gin-Auswahl

Berlin

  • Gin Chilla, Warschauer Straße 33
  • House of Gin im Hotel Palace, Budapester Straße 45
  • Bar im Motel One Upper West, Kantstraße 163/165
  • Botanical Affairs, Torstraße 95
  • G&T Bar, Große Präsidentenstraße 6-7

 

Frankfurt

  • Logenhaus, Finkenhofstraße 17
  • Sullivan Bar, Kaiserstraße 12
  • Hopper’s Cocktailbar, Schneckenhofstraße 8
  • Chaplin Bar, Berger Straße 247
  • Jambo Bar, Elbestraße 20

 

Hamburg

  • Good Old Days, Max-Brauer-Allee 275
  • Christiansen’s, Pinnasberg 60
  • 3Freunde Bar, Clemens-Schultz-Straße 66
  • Le Lion, Rathausstraße 3
  • Freudenhaus, Hein-Hoyer-Straße 7-9