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Film ab!

Wenn Berlin dieser Tage die roten Teppiche für den internationalen Filmadel ausrollt, dann schaut alle Welt auf den Potsdamer Platz. Das Sony Center mit dem Kino CineStar und das benachbarte Cinemaxx stehen nicht nur im Zentrum der Filmfestspiele. Das ganze Jahr über finden hier Filmpremieren mit Hollywoodgrößen statt. Über die Leinwand flimmern vor allem Blockbuster, oft in Originalfassungen. Doch auch jenseits der Multiplexkinos hat Berlin einige sehr schöne Kinoadressen zu bieten. Viele haben eine lange Geschichte.

KUDAMM-KINOS MIT TRADITION

So wurden an der Charlottenburger Hardenbergstraße, wo sich heute der Zoo Palast befindet, bereits 1915 Filme gezeigt. 1927 feierte Fritz Langs Stummfilmklassiker „Metropolis" im Palasttheater am Zoo Premiere. Nachdem das Kino im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde, eröffnete es 1957 als Zoo Palast in einem Neubau von Paul Schwebes, Hans Schoszberger und Gerhard Fritsche. 2010 wurde das beliebte Premierenkino wegen Renovierung geschlossen. Im November 2013 feierte es sein Comeback mit einem neuem Konzept: So kann man in einer Loge den Kinobesuch zum Luxus-Event werden lassen, indem man in einer Loge Schampus an den Sitzplatz ordert. Zwei Clubkinos im Bibliotheken-Look (siehe oben; Foto: Jan Bitter). können für Privatvorstellungen gebucht werden. Als Berlinale-Kino ist der Zoo Palast seit 2014 wieder mit von der Partie.

FILMESEHEN ALS LUXUS-EVENT

Luxuriös geht es auch ein paar hundert Meter weiter am Kurfürstendamm 225 zu. In dem denkmalgeschützten Gebäude eröffnete 2008 die Astor Film Lounge ihre Pforten. Mit seinem exzellenten Service erinnert das Luxus-Kino an längst vergangene Zeiten: Türsteher parken auf Wunsch das Auto, nehmen die Garderobe ab und servieren dem Gast ein Glas Sekt, bevor der Film oder die Live-Übertragung einer Opern- oder Ballettaufführung auf großzügigen Plätzen mit Fußhockern genossen werden kann.

SOZIALISTISCHER CHARME IM KINO INTERNATIONAL

Was der Kudamm für die Cineasten des Westens war, war die Karl-Marx-Allee für Filmfreunde des Ostens. Im Kino International in der Hausnummer 33 fanden (siehe oben; Foto: Daniel Horn, Yorck Kinogruppe) seit seiner Fertigstellung 1959 Premieren statt, zum Beispiel von Klassikern wie „Die Spur der Steine". Doch das International war schon damals mehr als ein Kino. Im Obergeschoss feierte ein Jugendclub Partys, und noch heute ist das Kino zugleich Feier- und Eventlocation und somit ein beliebter Ort für Premieren. Doch nicht nur das, das Kino durfte jüngst selbst in einem Hollywoodstreifen mitspielen: In einer Steven-Spielberg-Produktion mit Tom Hanks mimt das Kino International den Zoo Palast. Denn die Filmcrew tat einfach so, als ob die Karl-Marx-Allee der Kurfürstendamm im Berlin der 60er-Jahre wäre. Der mit hellem Sandstein verkleidete Bau stammt von den Architekten Josef Kaiser und Heinz Aust, die auch das gegenüberliegende Café Moskau und das Kosmos Kino an der Karl-Marx-Allee 131a entwarf. Nachdem es zu DDR-Zeiten als Lichtspielhaus diente, wurde der Kinobetrieb 2005 eingestellt. Heute ist das ehemalige Kino ein Veranstaltungsort.

PRACHTBAUTEN MIT GESCHICHTE

Weiter gen Osten fällt am Volkspark Friedrichshain in Prenzlauer Berg die klassizistische Fassade des Filmtheaters am Friedrichshain auf. Es wurde unter dem Namen Olympia schon 1925 mit 1200 Plätzen eröffnet. 1995 übernahm die Yorck-Kinogruppe das Kino und gab ihm nach der kompletten Renovierung seinen neuen Namen. Alle fünf Säle wurden individuell gestaltet. Im Sommer ist der angeschlossene Biergarten ein guter Ort für das Getränk nach dem Film. Ebenfalls aus den 20er-Jahren stammt das Babylon Mitte gegenüber der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Es eröffnete 1929 als Stummfilmkino und wurde 2001 originalgetreu restauriert. Neben Filmaufführungen finden hier auch Lesungen und Konzerte statt.

VERSTECKTE KINOJUWELEN

Während einige Kinos schon von außen Großes verheißen, sieht man anderen Kinos ihre Pracht nicht sofort an, zum Beispiel dem Neuen Off in Neukölln (siehe oben; Foto Daniel Horn, Yorck Kinogruppe). Hinter einer schlichten Mietshausfassade an der Hermannstraße 20 verbirgt sich ein wunderschöner Kinosaal mit türkisfarbenen Samtsesseln. Bereits in den 20er- und 30er-Jahren wurden an gleicher Stelle in den Rixdorfer Lichtspielen, kurz Rixi genannt, Filme gezeigt. Heute ist das zur Yorck-Kinogruppe gehörende Filmspielhaus Schauplatz für Independent Filme. Ein ähnlicher Geheimtipp sind die Tilsiter Lichtspiele in Friedrichshain. Berlins kleinstes Kino hat nur 66 Sitzplätze, dafür aber eine nette Bar als Vorraum. So unscheinbar es wirkt, blickt das Programmkino dennoch auf eine lange Geschichte zurück: 2008 feierte es seinen 100. Geburtstag.

Bildrechte:
Zoo Palast: Jan Bitter
Kino International: Daniel Horn, Yorck Kinogruppe
Neues Off: Daniel Horn, Yorck Kinogruppe