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Es geht wieder aufwärts – Die Renaissance des Hochhauses

Es geht wieder aufwärts – Die Renaissance des Hochhauses

Bisher war das Image deutscher Wohnhochhäuser vor allem von bekannten Siedlungen wie der Berliner Gropiusstadt geprägt. Die nach dem berühmten Bauhaus-Architekten benannte Wohnsiedlung gilt als architektonische Ikone des „Neuen Bauens“ im Nachkriegs-Deutschland: Zwischen 1962 und 1975 entwickelte sich die Trabantenstadt an der südlichen Grenze der Hauptstadt, in der während der 13-jährigen Bauzeit insgesamt rund 18.500 Wohneinheiten entstanden.

Mittlerweile haben Stadtplaner und Projektentwickler die Idee des „Wohnens in der Höhe“ wieder aufgegriffen. Was heute in vielen deutschen Großstädten errichtet wird, hat mit den Plattenbauen von damals allerdings nicht mehr viel zu tun. Heutige Wohnhochhäuser werden wesentlich höher und vor allem als begehrte Premiumobjekte konzipiert. Zentrale Lagen, großzügige Grundrisse und eine luxuriöse Ausstattung versprechen hervorragende Wohnqualität in luftiger Höhe. Aber wie ist es dazu gekommen?

Aus Platzmangel nach oben

Ursprünglich stammt die Idee des Hochhauses aus den boomenden US-Metropolen des späten 19. Jahrhunderts. Ein Mangel an Bauflächen, schwindelerregende Bodenpreise und eine gleichzeitige Bevölkerungsexplosion zwangen Städte wie Chicago oder New York dazu, immer weiter in die Höhe zu bauen. Moderne Baumaterialien und verbesserte Konstruktionstechniken machten es möglich. Von den USA schwappte der Trend schnell nach Europa herüber. Waren die europäischen Ableger zunächst nur für Büros gedacht, wurden nach den flächendeckenden Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs auch zunehmend Wohnhochhäuser errichtet. Allerdings entwickelten sich die neuen Viertel schon bald zu Trabanten- und Schlafstädten. Bis heute haftet ihnen nicht selten ein schlechtes Image an.

Wohnhochhäuser werden das Bild deutscher Großstädte bestimmen

Gegenwärtig erfahren deutsche Metropolen eine Renaissance als kulturelle Zentren. Erneut bestimmen Wohnungsknappheit, Flächenmangel und Bevölkerungswachstum die Stadtentwicklung. Eine Rückkehr des Wohnhochhauses in deutsche Ballungsräume wird daher durchaus begrüßt.

Wohnhochhäuser von heute unterscheiden sich allerdings grundlegend von den Trabantenstädten der 1970er Jahre. Die „Wohnriesen“ entstehen in den Zentren der Städte, in begehrten Lagen und verfügen über eine vorzügliche bis luxuriöse Ausstattung. Auch architektonisch ist man weit von den alten Klötzen entfernt. Moderne Hochhäuser wollen das Stadtbild bereichern und scheuen sich auch nicht, immer weiter in die Höhe zu wachsen. Internationale Vorbilder für diesen Trend, der Deutschland mittlerweile erreicht hat, finden sich in Städten wie New York, Dubai, London und Moskau. Dort gibt es bereits zahlreiche Luxuswohnhochhäuser mit ästhetisch ansprechender Form. In Deutschland allerdings sind Wolkenkratzer mit einer Höhe von über 150 Metern noch eher die Ausnahme. 

 

Doch das könnte sich schon bald ändern: In einer aktuellen Studie untersuchte das Analysehaus bulwiengesa deutschlandweit Wohnhochhäuser, die zwischen den Jahren 2010 und 2018 entstanden oder noch gebaut werden. Die Analysten kommen zu dem Schluss, dass attraktive A-Städte wie Berlin und Frankfurt zunehmend von Wohnhochhäusern geprägt sein werden, und dass deren immer attraktivere Architektur das Stadtbild der Metropolen nachhaltig beeinflussen wird.  

Zu den eindrucksvollen Beispielen für den Trend zum Wohnen in der Höhe zählt in Berlin beispielsweise das „High Park“ am Potsdamer Platz. Ab Ende 2017 sollen hier die Bewohner aus dem 49 Meter hohen Gebäude mit 14 Etagen den Ausblick über Berlin-Mitte genießen können. Ähnlich hoch hinaus geht es im „Living Levels“ an der Spree, das mit seinen bodentiefen Glasfronten aus den 13 Etagen einen beeindruckenden Blick bietet. Dass nicht immer neu gebaut werden muss, zeigt sich derzeit in Charlottenburg: Für das „High West“ wird ein ehemaliges Bürogebäude entkernt und auf 17 Etagen Platz geschaffen für Eigentumswohnungen. Auch am Alexanderplatz soll in den kommenden Jahren ein Wohnhochhaus entstehen: Stararchitekt Frank O. Gehry soll hier mit dem 150 Meter hohen Turm ein architektonisches Ausrufezeichen setzen. Noch beeindruckendere Höhen werden in Frankfurt erreicht: Mit dem 172 Meter hohen „Grand Tower“ entsteht Deutschlands höchstes Wohnhochhaus samt 800 Quadratmeter großer Gemeinschaftsdachterrasse.

 

 

Großer Nachholbedarf, große Ambitionen

Bis zum Jahr 2018 entstehen in Deutschland 9.770 Wohnungen in 79 Wohnhochhäusern, davon über 60 Prozent als Eigentumswohnungen. Die meisten Wohntürme (75 Prozent, 7.280 Einheiten) werden in den Jahren 2016 bis 2018 fertiggestellt. Berlin führt die Liste mit 2.700 Hochhauswohnungen in 19 Projekten an. Das ist jedoch nur der Anfang, denn es besteht weiterer Nachholbedarf: Mittlerweile leben 75 Prozent der deutschen Bevölkerung in Städten – ein Trend, der Bestand haben wird. Besonders in attraktiven Städten wie Berlin und Frankfurt wird der Bedarf nach Wohnraum weiter steigen. Um ihn zu decken, werden moderne Wohnhochhäusern also immer wichtiger.

 

Bild und Bildrechte:

Grand Tower in Frankfurt © Zabel Property AG