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Die Chausseestraße putzt sich raus

Lange Zeit galt sie als vergessene Meile in der frisch sanierten Mitte Berlins. Doch nun erstrahlt auch sie dank zahlreicher repräsentativer Neubauten bald in neuem Glanz: die Chausseestraße. Vor allem im nördlichen Teil werten mondäne Objekte die Adresse deutlich auf.

Zwischen Friedrichstraße und Müllerstraße liegt das Stiefkind von Mitte. Während die Friedrichstraße im Süden das internationale Flair des Zentrums einer Welthauptstadt versprüht und nördlich die Müllerstraße mit ihrem multikulturellen Charme lockt, war die Chausseestraße lange Zeit nur eines: grau. Bröckelnde Fassaden, von Unkraut überwucherte Baulücken und die klaffende Brache an der Stelle, an der bis 1992 das Stadium der Weltjugend zu sportlichen Events einlud, prägten das Bild. Der Wind trieb den Passanten Flugsand in die Augen, der vorbeidonnernde Verkehr spritzte Brackwasser auf die Schuhe - zum Flanieren lud die Meile nicht ein.

Doch mittlerweile erhält die Chausseestraße ein ganz neues Gesicht. An jeder Ecke wird heute saniert und gebaut, aufgehübscht und ausgebessert. Resultat: Die älteste Straße in der Oranienburger Vorstadt erwacht zu neuem Glanz.

DER ALTE GLANZ IST ABGEBRÖCKELT

Geglänzt hatte die Straße, die um 1800 als Verbindung zwischen Berlin und Tegel angelegt wurde, auch schon in früheren Zeiten. So zum Beispiel 1861, als sie als einzige Straße nördlich des Oranienburger Tors mit einen Überzug aus Pflastersteinen aufwarten konnte. Oder in den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als sich die DDR-Parteifunktionäre nach dem Krieg hier bei Friedensfahrten und Parteiaufmärschen feierten - zumindest bis zum Bau der Berliner Mauer. Später strahlte die Gegend dank des 70.000 Zuschauer fassenden Stadions der Weltjugend, in dem spannende Fußball-Länderspiele und andere Sport-Großereignisse stattfanden.

Erst mit der Wiedervereinigung geriet die 1,7 Kilometer lange Straße in Vergessenheit. Das Sportstadion wurde abgerissen und auch politische Großereignisse fanden längst an anderer Stelle statt. Die Wende zum Besseren läutete eine spektakuläre Standortentscheidung ein: Im Jahr 2006 kaufte der Bundesnachrichtendienst die große Stadion-Brache und begann, dort eine neue Zentrale zu errichten. Es sollte auch der Grundstein für den Wandel der gesamten bis dato tristen Straße werden. Denn mit der neuen Verwaltungseinrichtung gibt es plötzlich eine Perspektive. 4000 Beamte sollen hier ab 2016 arbeiten. Wohnen wollen die aber auch - und viele von ihnen am liebsten in der Nähe.

ALLES NEU

So wurden in den vergangenen Jahren die Fassenden der Altbauten saniert. An ihrem südlichen Ende, wo die Chausseestraße aus der Friedrichstraße herausmündet, zeigt sie schon jetzt ihre neue Schönheit. Ein um 1890 erbautes neubarockes Wohn- und Geschäftshaus führt majestätisch in die Straße hinein. Eine Gedenktafel erinnert an den Unternehmer August Borsig, zu dessen erster Maschinenbauanstalt hier im 19. Jahrhundert ein Kolonnadeneingang führte. Heute ist der Altbau saniert: Der Putz ist jetzt sandfarben, an einigen Stellen heller, an anderen dunkler, dazu Stuck über den Fenstern, mit goldfarbenen Kanten. Der Luxuseinrichter Bolia bietet hier ausgefallene Möbel feil. Gegenüber, im Haus mit der Nummer 131, wohnte zu DDR-Zeiten der Liedermacher Wolf Biermann bis zu seiner Ausweisung. Er benannte sogar eine Platte nach seiner Adresse. Die Lieder für „Chausseestraße 131" entstanden hier, im Hintergrund hört man noch die Straßenbahn vorbeirumpeln.

Eher leise gleitet die Tram heute etwas weiter nördlich auf der kreuzenden Invalidenstraße über die Chausseestraße. Mehrere Jahre glich die Kreuzung am Naturkundemuseum wegen der Baustelle einem Nadelöhr - heute sind die Bauarbeiter abgerückt. Straßenführung, Tramhaltestelle, feines Pflaster - heute ist hier alles neu, auch die Fassaden sind restauriert.

Die Invalidenstraße teilt die Chausseestraße in ihre charakteristischen Hälften. Während die Wohngebäude zwischen Tor- und Invalidenstraße saniert und restauriert werden, müssen im nördlichen Part vor allem Baulücken geschlossen werden. Aufgrund der nahegelegenen königlichen Eisengießerei in der Invalidenstraße hatten sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert hier viele Metallindustriebetriebe angesiedelt - ihre Schmiedefeuer und qualmenden Schlote brachten dem Gebiet den Beinamen Feuerland. Viele der Betriebe wurden während des Krieges zerstört, andere in den nachfolgenden Jahrzehnten aufgegeben. Die Grundstücke verwilderten.

Es ist gerade dieser Teil der Chausseestraße, der von den Investoren derzeit wiederbelebt wird. Wo einst Fabriken qualmten, entstehen heute repräsentative, mondäne Bauten mit international klingenden Namen. Sie heißen „Living 108", „The Garden Living" oder „The Mile" und versprechen modernes urbanes Leben. Auch der Star-Architekt Daniel Libeskind baut ein Wohnhaus in der Chausseestraße. An der Hausnummer 43 entsteht das „Sapphire":

NEUES WOHNEN IN DER CHAUSSEESTRASSE

Das Wohnensemble „The Mile" wird im kommenden Jahr fertiggestellt. Dann locken in der Chausseestraße 37, wo ehemals Fabriken und Werkstätten standen, 260 luxuriös ausgestattete Wohnungen mit Balkon oder Terrasse. Die vier bis zu siebengeschossigen Gebäude werden von anspruchsvoll gestalteten Innenhöfen verbunden, die Nord-Süd-Ausrichtung sorgt für sonnendurchflutete Wohnungen. Ebenfalls 2016 soll die neue Wohnanlage in der Chausseestraße 57-60, nördlich der Wöhlertstraße, bezugsfertig sein. Zwischen den Häusern wird es versteckte Gärten, kleine Spielplätze und viel grün geben.

 

Grün sind auch die Hinterhöfe von „Living 108". In der Chausseestraße 108, wo sich die Baulücke bis zum Seitenflügel des Naturkundemuseum durchzog, wurde das Wohnensemble Anfang 2015 fertiggestellt. Zur Straße hin erstrahlt nun die in Gold und Glas glänzende Fassade, während auf der Rückseite idyllisch angelegte Gärten für Ruhe und Entspannung sorgen und so einen Kontrast zum turbulenten Stadtleben schaffen. Offene Grundrisse und großzüge Fensterfronten lassen Raum zum Atmen. Die Bewohner der 128 Appartements freuen sich zudem über den eigenen Fitnessbereich und die gemeinschaftlich genutzte Dachterrasse mit dem fantastischen Blick über das bunte Treiben in einer Straße, die ihre besten Zeiten noch vor sich hat.