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Das Bauhaus in Berlin

Vor knapp 100 Jahren wurde das Bauhaus in Weimar gegründet. Doch die Design-Revolutionäre hinterließen auch in Berlin ihre Spuren. Wir zeigen, wo sich Fans des Bauhaus-Stils inspirieren lassen können. Wenn das Bauhaus 2019 sein 100-jähriges Jubiläum feiert, dann wird neben Dessau und Weimar auch Berlin Schauplatz der Feierlichkeiten sein. Erster Anlaufpunkt für alle Fans der Ära ist das Bauhaus Archiv/ Museum für Gestaltung am Reichpietschufer (Klingelhöferstr. 14, Bild siehe oben; © visitBerlin, Foto: Philip Koschel). Es enthält nach eigenen Angaben die weltweit umfassendste Sammlung zum Bauhaus (Beispiel siehe unten: Kinderstuhl von Marcel Breuer von 1924 aus der Sammlung Bauhaus © Bauhaus Archiv Berlin, Foto: Fotostudio Bartsch) , zeigt die Geschichte der Schule, ihrer Werkstätten und Produkte.

Zu bewundern ist die Ausstellung in einem Gebäude, das Walter Gropius eigentlich für die Darmstädter Rosenhöhe geplant hatte. In angepasster Form wurde es 1979 in Berlin eröffnet und ist allein wegen seiner Architektur mit den industriell anmutenden Sheddächern einen Besuch wert. Eine markante Rampe führt zum Eingang des Museums mit einem hübschen Café im Innenhof. Die Ausstellung zeigt die Geschichte des Bauhauses von seiner Gründung in Weimar 1919 über seinen Umzug nach Dessau bis hin zu seiner Schließung im Jahr 1933. Durch Filmausschnitte, Produkte, Skizzen, Fotos und Modelle bekommt der Besucher einen ausgezeichneten Überblick über die Ära. Regelmäßig finden Sonderausstellungen statt. So sind noch bis zum 21. September 2015 die Werke der Architektur-Fotografin Hélène Binet zu sehen.

Mies van der Rohe in der Hauptstadt

Einen knappen Kilometer vom Bauhaus-Archiv entfernt befindet sich ein wichtiges Architekturdenkmal der Klassischen Moderne: die Neue Nationalgalerie von Ludwig Mies van der Rohe (Bild siehe oben; © Foto: Judith Jenner). Was viele nicht wissen: Einen ganz ähnlichen Entwurf hatte der Architekt für das nicht realisierte Headquarter des Rum-Herstellers Barcardi in Santiago de Cuba und für ein Museum in Schweinfurt vorgesehen. In deutlich größeren Abmessungen konnte er es schließlich in Berlin realisieren. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1968 zeigt das Museum mit der lichtdurchfluteten Haupthalle Kunst des 20. Jahrhunderts. Momentan ist das Gebäude allerdings wegen einer umfassenden Sanierung geschlossen.

Das Bauhaus per Fahrrad und Kopfhörer erkunden

Ludwig Mies van der Rohe war ab 1930 Direktor des Bauhauses. Unter seiner Leitung zog das Bauhaus sogar kurz vor seiner Schließung von Oktober 1932 bis Juli 1933 nach Berlin in eine alte Fabrik in Steglitz. Sie wurde 1974 abgerissen. Zu besichtigen sind im Berliner Süd-Westen jedoch noch einige Privathäuser aus der Bauhaus-Periode, wenn auch nur von außen. Eine Audio-Tour (siehe oben; Audiotour durch Zehlendorf © Haus am Waldsee) weißt vom Haus am Waldsee in der Argentinischen Allee 30 den Weg zu den Architektur-Juwelen. Ausgestattet mit Rad und Audio-Player geht es auf eine etwa 90-minütige Tour durch die illustre Nachbarschaft. Die Texte, die von der Leiterin des Hauses am Waldsee, Katja Blomberg, zusammengestellt wurden, machen die Besucher damit vertraut, dass Bauhaus nicht zwingend Flachdach und weiß verputzte Fassade bedeutet. Architekten wie Ludwig Mies von der Rohe, Werner Gropius, Hermann Muthesius und Peter Behrens bauten in Zehlendorf zwischen 1907 und 1930 viele Villen im englischen Landhausstil. Erker und Satteldach waren damals en vogue. Aber natürlich gibt es auch funktionale Würfelarchitektur, zum Beispiel an der Beerenstraße 64 nahe des S-Bahnhofs Mexikoplatz. Man glaubt kaum, dass das 1928 von Arthur Korn und Siegfried Weitzmann erbaute Haus bald 90 Jahre alt ist, so modern wirkt es. Ein weiterer Audio-Guide führt durch die Bruno-Taut-Siedlung Onkel Toma Hütte.

Moderne Kunst im Mies van der Rohe Haus

Am anderen Ende der Stadt, in Lichtenberg, steht eine weitere Bauhaus-Ikone. 1932/33 baute Ludwig Mies van der Rohe das „Landhaus Lemke" für den Druckereibesitzer Karl Lemke.

Bei der Architektur konzentrierte er sich auf das Wesentliche: Große Fenster bieten einen Blick auf den Obersee. Die Eigentümer konnten die inspirierende Umgebung jedoch nur kurz genießen: Bereits 1945 beschlagnahmt die Rote Armee das Gebäude und nutzt es als Garage. Ab den 60er-Jahren diente es der Stasi mal als Hausmeisterwohnung, mal als Wäschedepot.

Erst 1977 stellt es der Ost-Berliner Magistrat unter Denkmalschutz. Heute befindet es sich im Besitz des Bezirks Lichtenberg. Haus und Garten wurden nach historischen Plänen wieder hergestellt und dienen als Ausstellungsfläche für Werke, die sich mit dem Ort auseinandersetzen. Die Möbel, die Mies van der Rohe extra für das Landhaus Lemke anfertigen ließ, gehören heute überwiegend zur Sammlung des Kunstgewerbemuseums in Berlin.

Versteckte Juwelen

Doch auch weniger spektakuläre Bauten der Bauhaus-Ära bestimmen heute noch das Bild der Stadt. Ein wahrer Geheimtipp ist der „Garagenpalast" an der Kantstraße 126/27 in Charlottenburg. In dem Parkhaus aus dem Jahr 1930 ist Platz für 300 Autos. Es ist bis heute in Betrieb, wegen seines maroden Zustands wird allerdings der Abriss diskutiert. Einen Spaziergang wert sind die von Bauhaus-Mitgliedern geplanten Siedlungen, zum Beispiel die Großsiedlung Siemensstadt in Nord-Charlottenburg (siehe oben; © Foto: Judith Jenner). An ihrer Planung war unter anderem Walter Gropius beteiligt, die Gesamtaufsicht oblag Martin Wagner und Hans Scharoun. Mit ihrer Blockarchitektur und den zahlreichen Grünflächen wurde sie im Juli 2008 als eine „Siedlung der Berliner Moderne" auf die Liste des Weltkulturerbes des UNESCO gesetzt.  Um das vielseitige Wirken des Bauhauses zu erkunden, ist Berlin also der perfekte Ort.

Bilder und Bildrechte

01 Bauhausarchiv © visitBerlin, Foto: Philip Koschel
02 Kinderstuhl von Marcel Breuer von 1924 aus der Sammlung Bauhaus © Bauhaus Archiv Berlin, Foto: Fotostudio Bartsch
03 Neue Nationalgalerie © Foto: Judith Jenner
04 Audiotour durch Zehlendorf © Haus am Waldsee
05 Großsiedlung Siemensstadt © Foto: Judith Jenner