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Berlins berühmte Baumeister

Für Architekturfans gibt es momentan kaum einen spannenderen Ort als Berlin, und das nicht nur aufgrund seiner Schinkel-Bauten oder seiner Bauhaus-Vergangenheit. Die Aufbruchstimmung, das Unfertige, das die Stadt bis heute noch an einigen Orten auszeichnet, hat in den vergangenen Jahren viele internationale Architektur-Stars nach Berlin gezogen. Einigen gelang hier sogar der Durchbruch: Daniel Libeskind ließ sein 1999 eingeweihter und vielfach preisgekrönter Neubau des Jüdischen Museums zum Star werden.

Die Grundform des Baukörpers erinnert am ehesten an ein Zickzack und besteht innen aus drei Achsen, die verschiedene Aspekte der deutsch-jüdischen Beziehungen symbolisieren. Es endet in dem verwirrenden Garten des Exils, der die Orientierungslosigkeit dieser Phase für den Besucher körperlich spürbar macht. 
15 Jahre später entstand in der gegenüberliegenden Blumengroßmarkthalle die Akademie des Jüdischen Museums, die nach dem Mäzen Eric F. Ross benannt ist. Sie beherbergt ein Auditorium, eine Bibliothek, das Archiv und Büroräume. Optisch nimmt Libeskind Bezug auf die Architektur des Museums. In seinen Kuben variiert er jeweils ein architektonisches Thema des Baus.

Dass Daniel Libeskind von seinem New Yorker Büro aus nicht nur Museen, sondern auch Wohnungen bauen kann, zeigt er momentan mit einem neuen Wohnhaus an der Chausseestraße in der Nähe des Bundesnachrichtendienstes. 2015 sollen dort die ersten Bewohner einziehen können. 
Für den Stararchitekten mit polnischen Wurzeln ist der Wohnungsbau „die hohe Kunst der Architektur", bedeutet er doch, für ganz unterschiedliche Menschen den Rahmen für eine individuelle Ausgestaltung ihres Lebensraums zu schaffen. Das Gebäude mit 6.000 Quadratmetern und 73 Zwei- bis Vierzimmerwohnungen soll dem neuen Berlin Rechnung tragen und ist für eine junge, urbane Zielgruppe gedacht.

Sein britischer Kollege David Chipperfield hat gleich mehrere Wohnhäuser für stilbewusste Berliner entworfen. In einem an der Joachimstraße in Mitte befindet sich auch sein Berliner Büro, das neben Niederlassungen in London, Mailand und Shanghai das vierte des Architekten ist.

1997 beauftragte ihn die Stiftung Preußischer Kulturbesitz mit einem Masterplan für die Berliner Museumsinsel und den Wiederaufbau des Neuen Museums. Das Bauwerk eines Schinkel-Schülers, in dem auch die berühmte Büste der Nofretete steht, wurde von Chipperfield sorgsam wiederaufgebaut und um moderne Elemente ergänzt. Besonders der zentrale, doppelarmige Treppenaufgang ist ein eindrucksvolles Zusammenspiel aus alter und neuer Architektur. Dabei kombinierte Chipperfield mutig modernen Betonkunststein zu unverputzten Ziegelwänden und historischen Gipsabdrücken.

Über zehn Jahre dauerte die Arbeit an dem Museum, 2009 präsentierte er es der Öffentlichkeit. Das Projekt brachte ihm neben mehreren Architekturpreisen gleich einen weiteren ehrenhaften Auftrag in Berlin ein: die Neugestaltung von Mies van der Rohes Neuer Nationalgalerie. Baubeginn ist 2015.

Der Stararchitekt schwärmt von den Chancen, die Berlin nicht nur etablierten, sondern auch jungen Architekten bietet. „Es gibt hier immer noch viele Gebäude, aus denen man mit wenig Mitteln etwas Besonderes machen kann", sagte er in einem Interview mit der US-Ausgabe des „Architectural Digest". Berlin gefällt dem Stararchitekten so gut, dass er sich jetzt auch privat hier niederlassen möchte: Momentan baut er ein Haus für sich und seine Familie.

Einer von David Chipperfields Lehrmeistern hat sich ebenfalls in Berlin verewigt: Von Sir Norman Foster stammt die berühmte Neukonstruktion der Reichstagskuppel, die jeden Tag von etwa 8.000 Besuchern besichtigt wird. Er gewann 1995 mit seinem modernen Entwurf aus Glas und Stahl eine europaweite Ausschreibung. Von der Dachterrasse aus ist die Kuppel öffentlich zugänglich und bietet sowohl einen Blick in den Plenarsaal des Deutschen Bundestages als auch auf die Stadt.

Die Kuppelform findet sich auch in Fosters Projekt "The Berlin Brain" wieder. Der Neubau der 2005 eröffneten Philologischen Bibliothek der Freien Universität Berlin in Dahlem erinnert von seiner Form her an ein Gehirn. Rund 700.000 Bücher und mehr als 600 Arbeitsplätze werden darin von einer kuppelartigen Stahl-und Glas-Konstruktion überspannt.

Doch nicht alle Stararchitekten liefen in Berlin zu Höchstform auf. Die irakischstämmige Pritzker-Preis-Trägerin Zaha Hadid ist eigentlich für die aufregenden organischen Formen ihrer Bauten und Möbel bekannt. In der Kreuzberger Stresemannstaße hat sie sich allerdings anlässlich der Internationalen Bauausstellung 1987 mit einem eher unspektakulären Werk verewigt, einem spitz zulaufenden Wohn- und Geschäftshaus mit Bronzehülle. Damals stand Zaha Hadid noch am Anfang ihrer Karriere.

Auch in Zukunft wird Berlin noch ein spannendes Betätigungsfeld für Architekten sein. So widmet sich der Hamburger Architekt Hadi Teherani gerade einem bisher gänzlich unbebauten Terrain. Sein Masterplan für den Humboldthafen hat die Ausschreibung des Berliner Senats gewonnen. Auf 35.000 Quadratmetern soll ein ganz neues Quartier mit Wohnungen, Büros und Einzelhandel entstehen. Für Architekturfans wird Berlin also auch so schnell nicht langweilig.

Der Treppenaufgang des Neuen Museums wurde von David Chipperfield gestaltet (Foto: Ute Zscharnt)