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Berlin is(s)t vegan

Berlin gilt als vegane Hauptstadt Europas. Nirgendwo sonst ernähren sich mehr Menschen ohne tierische Produkte und nirgendwo sonst gibt es so eine große Auswahl veganer und vegetarischer Restaurants. Wir stellen die besten vor. Die Gründe, warum Menschen vegan oder vegetarisch leben, sind ganz unterschiedlich: Der eine hält ein Leben ohne Fleisch für gesünder, dem anderen tun die Tiere leid, der dritte konnte den Geschmack noch nie leiden. Doch auch für passionierte Fleischesser kann es interessant sein, sich einen Abend lang rein pflanzlich bekochen zu lassen, zum Beispiel von Björn Moschinski.

FLEISCHVERZICHT AUF HOHEM NIVEAU

Der Koch betreibt seit 2011 das Restaurant Kopps in Mitte (siehe oben; Foto: PR). Vieles ist hier nicht so wie es scheint. Zum Brot wird ein Eiersalat gereicht, für den kein Huhn je ein Ei entbehren musste. Der täuschend echte Ei-Geschmack wird durch Kichererbsen fingiert. Danach geht es weiter mit fleischfreiem Cordon Bleu oder Gulasch und unglaublich raffinierten Gemüsekreationen wie zum Beispiel einer Estragon-Cashew-Tomate oder confierten Brandenburger Rüben im Kräutermantel. Während die Atmosphäre in dem hell eingerichteten Restaurant eher gediegen ist, geht es in Björn Moschinskis neuem Projekt lässiger zu: Über dem veganen Supermarkt Veganz an der Warschauer Brücke in Friedrichshain hat er das Mio Matto eröffnet. Dort gibt es vegane Pizza und andere Köstlichkeiten ohne Tier.

CLUB-KÜCHE IM COOKIES CREAM

Über einen dunklen Hinterhof und an den Mülltonnen der Komischen Oper vorbei erreicht man das Clubrestaurant in einem weiß gestrichenen Loft nahe der Friedrichstraße, das mit seiner Einrichtung das unfertige Berlin-Flair der Nuller-Jahre auferstehen lässt. Zwar ist der Club Cookies seit Herbst 2014 geschlossen, der Betrieb in der Drayton Bar und im Restaurant Cookies Cream (siehe oben, Foto: PR) läuft aber weiter. Ein Glück, denn die Kreationen des jungen Chefkochs Stephan Hentschel überraschen immer wieder. Dabei verzichtet er auf Fleischersatz wie Tofu oder Seitan. Auch Nudelgerichte sucht man vergeblich auf der übersichtlichen Speisekarte. Stattdessen gibt es exotische Gemüsekreationen wie Flan und Geräuchertes von der Topinambur und danach Mais-Porridge und Popcorn oder Parmesanknödel mit weißem Alba-Trüffel. Den Abschluss des selbst kombinierbaren 3-Gänge-Menus könnte die warme Feige mit Brombeer-Champagner-Sorbet bilden.

ROHKOST UNTERM KRONLEUCHTER

Im Westen der Stadt ist das La Mano Verde die beste Adresse für rein pflanzlichen Genuss. In illustrer Nachbarschaft zum Friseursalon von Udo Walz und dem Hotel Kempinski lassen sich die Gäste unter schicken Kronleuchtern oder Industrielampen von Kohlrabi-Ravioli oder Meeresalgen-Spaghetti verblüffen. Viele der Bio-Gerichte sind sogar für Rohköstler geeignet. Dabei stehen für Inhaber Jean-Christian Jury gesundheitliche Aspekte im Vordergrund. Wer die Kreationen Zuhause nachkochen möchte, kann sich für einen Kurs an seiner Living Food Academy anmelden. Ab dem 15. April 2015 bietet die Kochschule Kurse im veganen und rohköstlichen Kochen an (Foto: Kimchi Tower; Cathrin Bach).

GLÜCKLICHER LAUCH IN PRENZLAUER BERG

Was sie in der Küche von Jean-Christian Jury vom La Mano Verde gelernt haben, geben viele Köche inzwischen in eigenen Restaurants weiter. In Prenzlauer Berg hat seine ehemalige Mitarbeiterin Josita Hartanto vor einigen Jahren das Restaurant Lucky Leek eröffnet. Dort kocht sie weiterhin auf hohem Niveau. Das brachte ihr als eines der wenigen veganen Restaurants weltweit einen Eintrag im Guide Michelin ein. Mehr als verständlich wird das, wenn man sich durch ihr Drei-Gänge-Menu probiert: Auf leckere Rohkost-Entrées folgen so originelle Kompositionen wie einem Grüne-Erbsen-Nori-Filet mit roter Beete, Meerrettich, Kapernvinaigrette und Schmorgurke. Beim Nachtisch setzt die Köchin unter anderem auf Eis aus Kokosmilch, das zusammen mit einem Stück Limonentarte einfach nur lecker schmeckt.

VEGAN SPEISEN AN UNGEWÖHNLICHEN ORTEN

Doch nicht nur in den Restaurants der Hauptstadt wird man vegetarisch-vegan bewirtet. Unregelmäßige Dinner-Events sind ebenfalls eine Möglichkeit, sich in illustrer Runde bekochen zu lassen. So lädt der Rohkost-Koch Boris Lauser mit seiner Firma b.alive zu Dinner-Abenden in ein Kreuzberger Loft ein. Die Inspirationen für seine thematisch ausgerichteten Vier- bis Sechs-Gänge-Menus holt sich der unter anderem auf Reisen nach Bali, wo er auch Kochkurse gibt. Einen ungewöhnlichen Ort für ihre Abendessen haben sich Nicole Just und Felicia Meyer-Jendro ausgesucht: Mit ihrer Firma Mundart platzieren sie bis zu 20 Gäste pro Abend an einem langen Tafel in einem Moabiter Waschsalon und bewirten sie mit veganen Gerichten. Da ist es fast unausweichlich, miteinander ins Gespräch zu kommen und die Begeisterung darüber zu teilen, was für Leckereien man ganz ohne tierische Zutaten kochen kann.

Bilder und Bildrechte:
01 Restaurant Kopps (Foto: PR)
02 Cookies Cream (Foto: PR)
03 Kimchi Tower im La Mano Verde (Foto: Cathrin Bach)